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Stadt Pocking

Geschichte

1.Jh. Gründung einer römischen Siedlung
242 Zerstörung durch die Alemannen
6.Jh. Besiedlung durch die Bajuwaren
820 Erste urkundliche Erwähnung als ein Perthelm seinen Besitz "ad pochingas" dem Kloster Mondsee zum Geschenk machte
11.Jh. Eigene Kirche als Filiale von Hartkirchen
13.Jh. Hofmark Pocking als adeliger Herrschaftsträger
1806 Selbständige Pfarrei
1824 Bildung einer selbständigen Gemeinde
1879 Anschluss an die Eisenbahn
1971 Stadterhebung im Zuge der Gebietsreform und freiwilliger Zusammenschluss mit Kühnham, Hartkirchen und Indling


Pocking ist das Handels- und Dienstleistungszentrum der Region. Die fruchtbare Ebene am
Unterlauf der Rott ist seit der Bronzezeit besiedelt, wie zahlreiche Bodenfunde belegen. Ins
Blickfeld der Geschichte rückte Pocking in der Zeit der römischen Besatzung. An der heutigen
Indlinger Straße bestand etwa von 50 n.Chr. bis gegen das Ende des 4. Jahrhunderts eine
römische Handwerkersiedlung. Jüngste Ausgrabungen brachten beachtliche Funde zutage, von
denen ein Teil im Rathaus zu besichtigen ist.
Pock1930Nach dem Abzug der Römer nahmen die
eingewanderten Bajuwaren das Land in Besitz. Ein ausgedehntes Gräberfeld von mehr als 500
Grabstätten wurde um 1900 bei Inzing entdeckt,
aber auch in Pocking am Rande der einstigen
Römersiedlungen fand man zahlreiche
bajuwarische Gräber. Viele "ing"-Orte weisen auf diese Zeit der Landnahme hin. Der Name Pocking taucht erstmals 820 in den Traditionsbüchern des Klosters Mondsee auf, das durch Schenkungen an Grundbesitz im Rottal kam. In der Folgezeit wurden die Menschen und das Land in und um Pocking Besitz von verschiedensten kirchlichen und weltlichen Herrschaften. In Pocking selbst entstand eine sehr bescheidene Hofmark, die aber bereits im 16. Jahrhundert nach Ering verkauft wurde. An diese Zeit erinnert nur der Baubeginn der Pfarrkirche St.Ulrich von 1478.

Eigenständigkeit erlangte Pocking erst Anfang des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Säkularisation und der Neueinteilung Bayerns unter König Max I. 1824 wurde Pocking erstmals selbständige Landgemeinde, die sich von da an zielstrebig entwickelte. Die bedeutendste Entscheidung lag in dem Entschluss, Anschluss an das Eisenbahnnetz zu gewinnen. 1879 kam der erste Zug nach Pocking. Diese Bahnverbindung, die später nach Passau und nach Simbach weitergeführt wurde, ließ auch den Viehhandel in Pocking aufblühen, da nun Pferde und vor allem Rinder aus dem gesamten Rottal von hier aus bequem in alle Richtungen transportiert werden konnten.

ViehmarktPocking wurde durch seinen Rindermarkt, zu dem sich später auch ein Pferdemarkt gesellte, zu einem Zentrum der Viehzucht, was schließlich 1908 im Bau einer eigenen Versteigerungshalle seinen Ausdruck fand. Bis zum Ersten Weltkrieg hatte sich die Einwohnerzahl auf 1400 fast verdoppelt und eine eigene Zeitung vesorgte die Bürger mit den neuesten Nachrichten. Großes hatten die Nationalsozialisten mit Pocking vor. Mit dem Bau des Fliegerhorstes (heutiges Gelände der Bundeswehr) sollte Pocking als geplante Garnisonsstadt völlig umgebaut werden. Die Geschichte gab der Stadt eine andere Entwicklung. Das Kriegsende brachte viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene nach Pocking. Der Ort dehnte sich nach allen Richtungen aus und entwickelte sich zur Schul- und Einkaufsstadt. Die Gebietsreform vom 1971 brachte den Zusammenschluss mit dem Markt Hartkirchen und den Gemeinden Indling und Kühnham zur Stadt Pocking. So ist Pocking heute die zweitgrößte Stadt im Landkreis Passau mit etwa 15500 Einwohnern.

Mit dem Markt Hartkirchen ist Pocking seit dem Mittelalter eng verbunden. Ab 1143 gehörte Pocking bis zur Erhebung zur selbständigen Pfarrei als Filiale zur Pfarrei Hartkirchen. Hartkirchen selbst wird erstmals 1235 als Markt erwähnt, ist aber zweifellos viel älter und entwickelte sich wohl aus der Kaiserpfalz Inzing, die schon im 8. Jahrhundert belegt ist.

Hartk1957In Hartkirchen erkennt man heute noch deutlich die geschlossene Bauweise des Marktes um einen zentralen Platz. Der Markt war über viele Jahrhunderte der bedeutendste Ort diesseits des Unteren Inns und stand zeitweise in vehementer Konkurrenz zu Schärding. Er war zudem mit der Innschifffahrt verbunden und gewand daraus auch einen Teil seines Wohlstandes. Sehenswert ist die Pfarrkirche mit ihren mittelalterlichen Fresken. Auch die anderen Stadtteile wie Eggersham, Rohr, Zell, Indling, Berg und Pfaffing reichen mit ihren Wurzeln teilweise bis ins 8. Jahrhundert zurück. Von den ehemaligen Schlössern Eggersham, Rohr, Inzing und Schönburg steht nur noch das Barockschloss in Schönburg, das heute zu einem Schmuckstück restauriert wurde und in Privatbesitz ist.

Von der Kunst des ländlichen Bauens zeugen allenthalben alte und ehrwürdinge Holzhäuser, die als Blockbauten errichtet wurden und bis ins vorige Jahrhundert noch mit Stroh eingedeckt waren. Sie sind als lebendige Zeugen der Geschichte die Verbindungsglieder von der Vergangenheit über die Gegenwart zur Zukunft.

Darstellung basiert auf Texten von Heimatforscher Dr. Sebastian Kaiser (†).

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